CDU Gemeindeverband Rosdorf

Ökologische Fortentwicklung des Naherholungsgebietes "Auf dem Wartberge"

Ein Beitrag von Michael Blumberg

Naturwald als Bitrag zum Klima- und Artenschutz

Auf Antrag des Ortsrats Rosdorf hat der Verwaltungsausschuss der Gemeinde beschlossen, den vorhandenen Wald auf dem Wartberg (16,7 ha, davon 3,6 ha Wiesen) als Naturwald dauerhaft einer eigendynamischen Entwicklung zu überlassen, was forstwirtschaftliche Eingriffe und Nutzungen ausschließt, nicht jedoch Verkehrssicherungsmaßnahmen im Bereich der Wege. Öffentlicher Zutritt zu Naherholungszwecken ist also jederzeit möglich.

Lehrpfad „Halballee der Bäume des Jahres“

Der Ortsrat Rosdorf hat ab dem Jahr 2018 auf der Südseite des Wartbergareals einen Lehrpfad der „Bäume des Jahres“ eingerichtet, der alle bisher ausgewählten Baumarten umfasst, die seit 1989 jährlich durch das „Kuratorium Baum des Jahres“ festgelegt worden sind.

 Zusätzlich wurden dort sechs Ginkgobäume gepflanzt, ein weiterer auf dem alten Festplatz innerorts.

 Sämtliche Bäume wurden aus der Bevölkerung gestiftet und die Halballee wird jährlich um einen weiteren gespendeten Baum erweitert.

Für das Jahr 2026 ist das die Zitterpappel (Populus tremula), auch Espe genannt, für die ebenfalls bereits eine Spenderin vorhanden ist. Alle Bäume sind mit sogenannten Arboretums-Lehrtafeln ausgestattet, auf denen eine Kurzcharakterisierung der Baumart und die Namen der Stifter bzw. Stifterinnen genannt wird.

Der Ortsrat kümmert sich in Verbindung mit dem Bauhof der Gemeinde um die Pflege der Baumreihe und den Ersatz ausgefallener Bäume.

Lehr- und Versuchspfad potenziell Klimawandeltauglicher Baumarten

Alle „Bäume des Jahres“ der Halballee auf der Südseite sind einheimische Baumarten, das gilt auch für die inzwischen neugepflanzten 13 Bäume auf der Nordseite des Wartbergs. Diese wurden im Rahmen eines neuen Projekts mit dem Namen „Allee klimawandeltauglicher Baumarten“ ebenfalls von Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde gestiftet.

 An verschiedenen Forschungsanstalten laufen seit einigen Jahren Versuche, Baumarten zu identifizieren, die entweder im Waldbau oder auch als Stadtbäume das Potenzial einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels haben.

 Die Vorauswahl von 27 Baumarten erfolgte auf Basis einer umfangreichen Auswertung der Fachliteratur durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, in der klimawandelrelevante Literaturkenntnisse zur Ökologie, Standortsbindung, Anbau, Ertrag, Holzverwendung und Risiken infrage kommender Baumarten zusammengetragen wurden.

Aus den dort vorhandenen 35 Arten wurden 27 ausgewählt. Auf der Wartbergnordseite, beginnend an der Grillhütte westwärts den Weg entlang, durften davon nur die 13 einheimischen Arten gepflanzt werden, da der Wartberg insgesamt Teil eines Landschaftsschutzgebietes ist, in dem nicht-heimische Arten nicht zugelassen sind.

 Dies gilt innerörtlich nicht, so dass weitere sieben Arten, die zum Teil hier nicht heimisch sind, aber ein entsprechendes Potenzial zum Beispiel gegenüber Trockenstress haben, auf dem Friedhof gepflanzt wurden.

 Die verbleibenden sieben Arten, nämlich Nordmann-Tanne, Atlas-Zeder, Schwarznuss, Japanische Lärche, Österreichische Schwarzkiefer, Zerreiche und die Gelbkiefer werden in 2026 am Wendehammer am Luhbach gepflanzt.

Für die Schwarznuss hat sich spontan bereits ein Stifterehepaar gefunden, die weiteren sechs Baumarten können noch gespendet werden.

Berg-Ahorn  (Acer pseudoplatanus)                 

Echte Walnuss (Juglans regia)

 

Sand-Birke  (Betula pendula)              

Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera)

Hainbuche (Carpinus betulus)            

Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia)

Edelkastanie (Castanea sativa)

Ahornblättrige Platane (Platanus acerifolia)

Säulen-Zitterpappel (Populus tremula 'Erecta')                        

Ungarische Eiche (Quercus frainetto)

Vogelkirsche (Prunus avium)                           

Silber-Linde (Tilia tomentosa)

Deutsche Eiche / Stiel-Eiche (Quercus robur)     

Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana)

Traubeneiche (Quercus petraea)                           

Atlas-Zeder (Cedrus atlantica)

Winter-Linde (Tilia cordata)                              

Schwarznuss (Juglans nigra)

Sommer-Linde (Tilia platyphyllos)             

Japanische Lärche (Larix kaempferi)

Flatterulme (Ulmus laevis)                         

Österreichische Schwarzkiefer (Pinus nigra ssp. Nigra)

Zerreiche (Quercus cerris)

Baum-Hasel (Corylus colurna)

 

Gelbkiefer (Pinus ponderosa)

Spitz-Ahorn (Acer platanoides)                          

Elsbeere  (Sorbus torminalis)                           

 

 

Die Pflanzung der 27 Arten an drei Standorten im Rosdorfer Gemeindegebiet dient der Information der Bevölkerung über potenziell infrage kommende, trockenstresstolerante Baumarten der Zukunft und stellt als solches einen Versuchsanbau dar, der von zukünftigen Generationen ausgewertet werden kann. Alle genannten Bäume werden mit entsprechenden Lehrtafeln und Stifterangaben ausgestattet.

Einrichtung eines Zauneidechsenhabitats

Auf Beschluss des Ortsrates und durch diesen finanziert ist ferner in 2025 ein Habitat für Zauneidechsen auf einer Freifläche des Wartbergwaldes entstanden, bestehend aus zwei Haufen eines Stein-Totholz-Gemischs und kleineren vorgelagerten südexponierten Sandbereichen für die Eiablage.

Dass Zauneidechsen am Südrand des Ortsgebietes vorkommen, ist durch diverse Fundmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern belegt. Das Ursprungshabitat sind möglicherweise die geschotterten Bahngleise im Bereich des alten Bahnhofs.

Etablierung von Hecken in der Agrarlandschaft

Im gesamten Gemeindegebiet besteht ein hohes Potenzial zur ökologischen Aufwertung von Wegrainen in der Agrarlandschaft. Diese Saumbiotope zeichnen sich durch eine vielseitige Pflanzen- und Tierwelt aus und dienen insbesondere als Wohn- und Nistplätze für Säugetiere, Insekten, Vögel und Reptilien. Dies gilt insbesondere wenn der Lebensraumtyp Hecke als dominante Struktur auftritt.

Im Ortsteil Rosdorf wie auch in den anderen Ortsteilen der Gemeinde bestehen im umfangreichen Maße zum Teil auch sehr breite Wegraine in der Feldflur, die lediglich grasbewachsen sind und damit die oben genannten Eigenschaften nur rudimentär aufweisen und die durch heimische Sträucher und Bäume auch im Sinne einer Biotopvernetzung ökologisch aufgewertet werden können. Auch vor dem Hintergrund der Debatte zum Klimawandel wird auf das Potenzial von Hecken zur CO2-Speicherung verwiesen.  Pro Hektar haben Hecken eine dem Wald vergleichbare CO2-Bindung. In einer Hecke werden im Verlauf von 20 bis 50 Jahren 2,1 bis 5,2 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar gebunden durch die hohe Dichte an Ästen, Zweigen und Wurzelstöcken, sowie im Boden, unter anderem aufgrund der guten Wachstumsbedingungen in der Agrarlandschaft (Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei; Fachartikel: Regional Environmental Change, doi: 10.1007/s10113-021-01798-8). Genannte Autoren resümieren: „Es gibt kaum eine Klimaschutzmaßnahme im Agrarbereich, mit der auf so wenig Fläche so viel Effekt erzielbar ist“. Ziel der Maßnahme ist es, im Einvernehmen mit den Eigentümern dieser Feldwirtschaftswege auch und insbesondere hinsichtlich der Pflege,  neue Feldgehölze zur Erhaltung der Artenvielfalt (Biodiversität) und der Erhöhung der Klimaresilienz zu etablieren.

Auf Antrag des Ortsrats Rosdorf hat der Gemeinderat für den vergangenen Doppelhaushashalt 2024/2025 hierzu 30.000 € zur Verfügung gestellt.

Auf einer Länge von 141 Metern wurde am nordöstlichen Weg zum Wartberg hoch auf gemeindeeigener Fläche in 2025 eine erste Hecke im Einvernehmen mit dem Bewirtschafter der angrenzenden landwirtschaftlichen Fläche gepflanzt.

Die Gemeinde hat sich vertraglich zur langfristigen Pflege verpflichtet.

Ebenso auf Antrag des Ortsrates Rosdorf hat der Gemeinderat beschlossen, die Maßnahme auch für den Doppelhaushalt 2026/2027 fortzuführen, wiederum dotiert mit jährlich 15.000 €.

Es wird darauf hingewiesen, dass diese Mittel für das gesamte Gemeindegebiet zur Verfügung stehen. Anträge aus den umliegenden Ortschaften sind daher willkommen.

Wissenschaftliche Begleitung durch die Uni Göttingen

Die Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Uni Göttingen hat den Standort Wartbergwald im Rahmen der Ausbildung der Studierenden für eine forstliche Standortskartierung mit dem Schwerpunkt kleinräumige Bodentypenkartierung genutzt und eine Bachelor- und Masterarbeit zur Aufnahme des pflanzlichen Inventar der Wald- und Offenlandflächen am Wartberg betreut. Die Arbeiten wurden durch die Grün-AG des Ortsrats initiiert und unterstützt; die Ergebnisse liegen der Gemeinde vor.