Kinderärzte vor Ort stärken – Versorgungslücken schließen
Wenn Kinder und Jugendliche monatelang auf Versorgung warten, läuft etwas grundlegend falsch. Die Landesregierung muss endlich die Lücke zwischen Bedarfsplanung und Realität schließen. Wir wollen mehr Nachwuchs, genügend Praxen, bessere Rahmenbedingungen für Ärzte, weniger Bürokratie und eine kinderärztliche Versorgung, die auch im ländlichen Raum verlässlich funktioniert. Eine gute Gesundheitsversorgung darf für Kinder und Jugendliche nicht vom Wohnort abhängen.
Die kinder- und jugendärztliche Versorgung in Niedersachsen gerät zunehmend unter Druck. Deshalb hat die CDU-Fraktion vergangene Woche einen entsprechenden Entschließungsantrag in den Landtag eingebracht. Zwar ist die Zahl der niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzte leicht gestiegen. Gleichzeitig nehmen die Behandlungsfälle, Vorsorgeuntersuchungen, Impfprogramme und psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen deutlich zu. Für viele Praxen bedeutet das: volle Wartezimmer, lange Wartezeiten und überlastete Teams. Das Grundproblem: Die Bedarfsplanung bildet die Realität vor Ort nicht ausreichend ab. Viele Regionen gelten statistisch als ausreichend versorgt, obwohl Familien faktisch kaum Termine bekommen. Besonders schwierig ist die Lage im ländlichen Raum. Praxisnachfolgen werden schwieriger, viele junge Ärztinnen und Ärzte bevorzugen Anstellung statt Niederlassung, Bürokratie und wirtschaftliches Risiko schrecken ab. Wenn Vorsorge ausfällt, Diagnosen zu spät gestellt oder Therapien verzögert werden, trifft das Kinder und Familien unmittelbar und belastet am Ende auch Notaufnahmen und andere Versorgungsbereiche.
Jedes Kind in Niedersachsen muss unabhängig vom Wohnort rechtzeitig medizinische Hilfe bekommen. Die aktuelle Bedarfsplanung bildet die Realität vieler Familien nicht mehr ab. Auf dem Papier gelten Regionen als versorgt, während Praxen überlaufen, Termine kaum zu bekommen sind und der Druck auf Kinderärzte weiter steigt. Deshalb braucht Niedersachsen eine regionale Kinderarztquote mit Stipendien und Rückkehrverpflichtung, zusätzliche Weiterbildungsstellen in der Pädiatrie sowie bessere Bedingungen im Praktischen Jahr. Gleichzeitig müssen Niederlassungen durch höhere Prämien, Investitionskostenzuschüsse, weniger Bürokratie, digitale Verfahren, telemedizinische Angebote und gezielt geförderte pädiatrische MVZ attraktiver werden. Ergänzend kann ein Programm für 50 zusätzliche Medizinstudienplätze im Ausland helfen, Ärztinnen und Ärzte langfristig an Niedersachsen zu binden. Die Versorgung muss sich am tatsächlichen Bedarf der Kinder und Familien orientieren und nicht an statistischen Rechenmodellen.